Die Idee von Europa ist längst tot!


@Christoph Sieber

Griechenland, Europa, das Kapital und die freien Märkte

Kommentar des Kabarettisten Christoph Sieber zur aktuellen Lage um die Griechenlandkrise und Europa

Die Bundesregierung leistete eine eine überzeugende schauspielerische Leistung in den letzten Wochen, wo die griechische Regierung wahlweise als dilettantisch, beratungsresistent oder unbelehrbar bezeichnet wurde. Und IWF, EZB, Merkel und Schäuble unisono fassungslos und schockiert waren, weil die verrückten Griechen dieses erneute Angebot einfach nicht angenommen haben.

Sparen Sie sich dieses heuchlerische Getue Frau Merkel und Herr Schäuble. Es steht der politischen Klasse nicht wirklich gut an, wenn sie sich zum Handlanger eines neoliberalen Zeitgeistes macht.
Lassen Sie uns der Sache ins Auge sehen; Das einzige was Europa zusammenhält ist die Angst vor dem was kommt, wenn alles zusammenbricht.

Wir sind gar keine Europäische Gemeinschaft, wir sind Gegner oder Konkurrenten. Und das was wirklich vor die Hunde geht ist nicht nur Griechenland, sondern auch die europäischen Werte, wie Humanität, Zusammenhalt Solidarität. Falls diese Werte nicht von jeher schon nur Lippenbekenntnisse waren.

Griechenland wird die Schulden überhaupt nie zurückzahlen können. Nie! Genauso wie übrigens Deutschland seine Schulden nie zurückzahlen wird, nämlich weil Schäuble schon von einer schwarzen Null spricht wenn er Zins und Zinseszins bedienen kann. Dann haben wir schon einen ausgeglichenen Haushalt.

Aber um die Zahlung der Schulden geht es da schon längst nicht mehr. Nein, es geht darum ein Volk zu domestizieren. Und zwar die Griechen und dabei beispielhaft nämlich auch die griechische Regierung, eine linke Regierung, welche man im alternativlosen Europa nicht haben will. Weil es sein könnte, dass sie vielleicht Alternativen aufzeigen, weil sie einfach dieses Spiel um Zins und Zinseszins nicht mitspielen wollen. Weil in Europa nämlich längst nicht mehr das Völkerrecht oder das Menschenrecht gilt, sondern die Gesetze des Marktes.

Egal was auf der Welt passiert, unser einziger Gedanke gilt immer noch;
„Wie werden die Märkte darauf reagieren? Oh Gott die Märkte! Werden sie unruhig, diese Märkte? Oder werden sie am Ende womöglich noch hysterisch werden?“

Das Kapital, es ist ein scheues Reh. Es äst nicht mehr auf morgenbetauten Wiesen, sondern ist längst nach Liechtenstein gehüpft. Es äst nicht mehr im Schatten der Frankfurter Bürotürme, sondern hat längst einen Briefkasten auf Cayman Island.

In Griechenland hungern die Menschen, und wir haben Angst vor Unruhe im Markt.
Mehr braucht man über dieses Europa nicht zu sagen…

Zitat eines Investors:

„Ja und damit ein herzliches Willkommen, hier von der Börse. Wie soll ich sagen, die Lage auf dem Lebensmittelspekulationsmarkt ist mau. Ja hier hoffen wir auf eine Krise in Griechenland und wenn da auch noch eine Hungersnot in Westafrika hinzu kommt, dann steppt auch hier wieder der Bär. Dann rollt der Rubel, dann heisst es Gewinne, Gewinne, Gewinne. Dann schnalzt das Kamel mit der Zunge. Oder wie wir im Börsenjargon so schön sagen; Die halbe Welt stöhnt unter Schuldenlast und uns zerreisst’s den Beutel fast. Hahahaha!!!“

Die griechische Regierung soll ein Spiel mitspielen, deren Regeln sie nicht mitbestimmen darf. Du dies sind die Spielregeln des freien Marktes, die heissen; „Friss oder sonst wirst Du fallen gelassen!“

Als Kinder haben wir ein Spiel gespielt, das hiess „Reise nach Jerusalem“. Da waren die Stühle im Kreis und alle Kinder sassen darin. Es war aber ein Stuhl zuwenig und wenn die Musik los spielte musste alle um diese Stühle rennen und wenn die Musik gestoppt hatte, durften sie sich alle hinsetzen. Und wer keinen Stuhl bekommen hatte, der hatte verloren und musste nach Hause gehen. Und so ist das heute. Die heutigen Regierungen spielen im Prinzip „Reise nach Jerusalem“. Es ist ein Stuhl zu wenig, Griechenland steht.
Das einzige Problem ist, wenn die Musik spielt, dann steht keiner von denen auf. Die bleiben einfach sitzen, gucken Griechenland an und sagen; „Na, wenn, streng Dich halt ein bisschen an! Dann gehts schon“

Es ist schon ein sehr antidemokratischer Geist, der da durch die europäischen Flure wabbert. Mit wem verhandelt da die griechische Regierung, eine gewählte griechische Regierung?
Zum Beispiel mit Mario Draghi, EZB-Chef. Der ist nicht gewählt, der war ehemals Vizechef von Goldman Sachs. So nebenbei, ein Banker halt. Christine Lagarde, eine Juristin, die Chefin vom IWF, ist auch nicht gewählt. Und Klaus Rekklin, das ist der Chef des Rettungsschirms. Der ist auch nicht demokratisch gewählt.

Wir leben in einem Europa ohne Europäer. Und wir leben in einem Europa das keine Opposition mehr zulässt zum eingeschlagenen Weg. Eine Demokratie braucht immer eine starke Opposition, weil sie sonst der Diktatur immer ähnlicher wird.

Deutschland ist der grosse Gewinner und der grosse Profiteur der Krise. 360 Millionen Euro haben die Griechen bis jetzt an Deutschland gezahlt. Wir sind die Gewinner der Krise und deshalb wird die Bundesregierung alles daran setzen, dass sich die Krise fortsetzt.

Wir können in Ruhe abwarten, hat Frau Merkel in einer Bundestagsdebatte zur Griechenlandkrise mal gesagt. Heisst sich wohlgefällig sich dem Wohlstandsbauch reiben und warten bis Griechenland ausgehungert ist und dann einfach darauf hoffen, dass es eine neue Regierung gibt die kuscht, und der man dann die Bedingungen diktieren kann. Mit demokratischer Kultur hat das aber überhaupt nichts zu tun.

Griechenland ist arm. Aber wir sind es auch. Auch wenn wir finanziell reich sind.

Die Idee von Europa, die ist längst tot.

 

www.christoph-sieber.de

denkfunk.de

 

 

dead-end-euro

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